Quomodo Blog

Hygge ist dieses Gefühl, wenn man in der Weihnachtszeit an einem Sonntagmorgen viel zu früh aufwacht, weil man den Geruch von Schnee in der Nase hat und dann in Schlafanzug und kuschligen Socken leise durch die Wohnung tapst, Kekse nascht und sich Kerzen anzündet und alles um sich rum mal wieder so richtig wahrnimmt. Dieser Duft nach Zimt und Tannengrün, die schwere verräucherte Luft von ausgeblasenen Kerzen und Räucherkerzen vom vergangenen Abend, die dringend mal wieder frischen Sauerstoff gebrauchen könnte. Ein etwas eisiger Luftzug bevor die Heizung anspringt und einen wie magisch zur Kuscheldecke drängt. Dann das leise Scharren der Seiten, wenn man im Buch weiter blättert. Und das Knurren des Magens, das einen aus der Phantasiewelt des Buches zurück holt.

Na, habt ihr jetzt auch Lust auf einen Adventssonntag? Am Wochenende ist es schon zum ersten Mal soweit und doch sind die meisten dann leider damit beschäftigt, sich an diesen wundervollen Tagen mit viel zu vielen anderen Menschen die Beine auf Weihnachtsmärkten in den Bauch zu stehen oder durch Geschäfte zu hetzen auf der Suche nach den besten Geschenken. Dabei kommen doch die schönsten Ideen für Geschenke immer ganz spontan und unerwartet und nicht während man danach sucht!

Ich habe schon seit ein paar Wochen alle Geschenke zusammen und kann deswegen dieses Jahr die Adventszeit hoffentlich so richtig genießen. Und da ich mich in letzter Zeit viel mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigt habe, bin ich wieder über etwas gestolpert, dass inzwischen ja eigentlich schon wieder überholt ist und von neuen Trends abgelöst wurde: hygge!

 

Hygge ist nicht nur Gemütlichkeit!

Es ist schön, dass es in den nordischen Sprachen dafür ein Wort gibt, das eben mehr ist, als nur die im Wörterbuch stehende Übersetzung „Gemütlichkeit“. Aber es ist eben auch schade, dass wir vor lauter Stress und Schnelligkeit anscheinend verlernt haben, gewisse Dinge einfach mal wieder so richtig zu genießen.

Ich habe ein paar Tipps für mehr hygge in eurem Leben zusammengestellt, die eben nicht nur mit einem Moment von Gemütlichkeit zu tun haben, sondern vllt auch helfen, darüber hinaus ein positiveres Lebensgefühl zu bekommen. Denn Hygge ist vor allem Achtsamkeit und hat eigentlich nichts mit materiellen Dingen zu tun. Es ist die Besinnung auf sich selbst, darauf, was einen glücklich macht. Aber gewisse materielle Dinge können dabei eben helfen, wie zum Beispiel:

 

1. Das richtige Licht.

Gerade jetzt in der grauen Jahreszeit fällt es vielen ja besonders schwer, positive Gedanken zu haben. Draußen wirkt alles depressiv, es wird nie richtig hell und meistens auch nie wirklich trocken.
Die fehlende Sonne macht sich auf jeden Fall in unserem Vitamin D-Spiegel bemerkbar. Also wenn ihr so richtig down seid bei dem Wetter: einfach beim nächsten Arztbesuch mal die Werte kontrollieren lassen, vielleicht liegt es ja tatsächlich daran. Mit der entsprechenden Dosis kommt so mancher dann ausgeschlafener und fitter über den Winter.
Und wo draußen zu wenig Licht ist, kann man ja drinnen einfach für mehr Licht sorgen. Zig Kilo Kerzen abzubrennen ist dabei vielleicht nicht gerade das ökologischste Mittel. Aber es gibt inzwischen so viele Möglichkeiten, sich angenehmes Licht (auf die Farbe kommt es an!) in die Wohnung zu holen. Hauptsache, es gefällt 🙂

hygge

2. Schluss mit Multitasking & wahrnehmen, was einen umgibt.

Wenn man mal wieder wie im Nebel durchs Leben rennt und kaum noch mitbekommt, was links und rechts passiert und vor lauter Dingen, die erledigt werden müssen, alles gleichzeitig macht und dabei alles durcheinander bringt, Schusselfehler einbaut und nicht mehr weiß wo einem der Kopf steht, wird es Zeit, mal wieder Prioritäten zu setzen: eins nach dem anderen! Denn so kann man sich viel besser konzentrieren.

Und habt ihr vor lauter Stress und to do Listen auch manchmal das Gefühl, nur noch zu funktionieren und ohne wirkliche Emotionen durchs Leben zu rennen? Dann ist wohl dringend mal wieder Zeit, tief durchzuatmen! Konzentriert euch auf den Moment und verbannt mal für ein paar Sekunden alle stressigen Gedanken aus dem Kopf. Inmitten stickiger Büro- oder Fabrikluft ist das Durchatmen ja aber trotzdem nicht der Hit. Und deswegen kommen wir auch gleich zum dritten Punkt:

 

3. Rausgehen!

Ja, draußen ist es nass und kalt und bääh und mit (heißer) Schokolade und Netflix auf der Couch ist es viel schöner… Wann wart ihr das letzte Mal einfach nur so (ohne zu erledigende Wege) draußen? Habt mal wieder ohne ständigen Blick aufs Handy die Umgebung erkundet? Gerüche und Geräusche auf euch wirken lassen?
Seid im Morgengrauen durch den Nebel gewandert oder habt die glitzernde Stille eines eisigen Wintertags bewundert? Wo im Frühling und Sommer die Luft von schwirrenden Insekten und Vogelgezwitscher erfüllt ist, kann man im Herbst tatsächlich das Laub fallen hören (wenn man nicht gerade zu laut mit rascheln beschäftigt ist). Und gibt es etwas schöneres als durch knirschenden Schnee zu laufen?

Leider gibt es da aber Geräusche, die solche Sachen übertönen – Motorendröhnen und Hundegebell an jeder Ecke. Da muss man sich schon etliche Meter von der nächsten Siedlung entfernen, um wirkliche (menschliche) Stille zu haben, um der Natur zuhören zu können. Aber das ist es definitiv wert! Und wer jetzt meckert, dass es ja immer schon so früh dunkel ist – jetzt muss man zum Sterne gucken wenigstens nicht so lange aufbleiben 😉 Wer findet denn noch mehr Sternbilder als nur den großen Waagen?

Und gerade wenn draußen doch nicht das angenehmste Wetter ist, kann man sich ja dann noch mehr freuen, wieder nach Hause zu kommen. Womit wir bei den nächsten beiden Punkten wären:

 

4. Wohlfühlatmosphäre schaffen

Ich habe mal gelesen, man soll die für sich perfekte Mischung aus Hygge und Minimalismus finden. Das klingt, als wäre Hygge das Gegenteil von Minimalismus und als würde man dabei eine Menge unnützes Zeug zusammensammeln. Doch genau das ist Hygge eben nicht!

Natürlich ist eine Wohlfühlatmosphäre nicht davon geprägt, wenn man sich von seinem Hab und Gut erschlagen fühlt und seine Zeit immerzu mit Putzen und Umherräumen verbringen könnte.
Also genau so viel Deko, dass es nicht überladen wirkt und trotzdem gemütlich. So, dass man nicht beim bloßen Hinschauen ein schlechtes Gewissen bekommt, dass man eigentlich ja dringend mal wieder Staub wischen müsste. Aber dann eben doch so, dass es nicht steril und wie in einer Zahnarztpraxis wirkt. Also: die Kuscheldecke aufs kahle Sofa, ein bisschen Grün (es müssen nicht immer frische Blumen sein) aufs Fensterbrett oder den Tisch und alle Staubfänger (die Oma irgendwann mal aus dem Urlaub mitgebracht hat) weggeräumt. Dann noch ein paar Lichtinseln und die richtige Musik (wie wärs mit meiner Weihnachtsplaylist?) und schon möchte man hier wirklich wohnen 🙂

 

5. ‎Essen und Trinken

Jetzt wenn es draußen wieder länger dunkel ist, ist auch wieder Zeit, sich dem Essen und Trinken zu widmen. Endlich braucht man kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn man stundenlang in der Küche steht, um etwas ganz besonderes zu zaubern. Auch ich gehöre zu den Menschen, die ungern länger mit der Zubereitung des Essens verbringen, als das Essen an sich dann dauert. Aber nicht nur das Verzehren an sich kann Genuss sein. Wenn ihr also auch beim Gemüse schnippeln schon genervt seid, weil alles so lange dauert: kein Stress! Nehmt euch die Zeit und genießt auch den Prozess, bis die Kreation dann fertig ist. Appetitanregende Gerüche, schöne Farben und dann diese Vorfreude… Ganz besonders habe ich die in der Weihnachtszeit auf meine leckeren Walnusswaffeln 🙂

 

6. Genuss lernen!

Aber Genuss gibt es nicht nur beim Essen! Genuss hängt mit allen Sinnen zusammen. Denn eigentlich ist Genuss die Fähigkeit zu Muße und Entspannung. Jeder sollte sich das immer mal wieder in Erinnerung rufen und sich darüber zu freuen, dass man genießen kann. Denn Genussfähigkeit kann auch verloren gehen. Eine Depression z.B. zeigt als Begleiterscheinung sehr oft eine Genussunfähigkeit, wo man sich an nichts erfreuen oder Vergnügen empfinden kann. Deswegen: Verbannt Eile, Stress und Hektik aus eurem Alltag!

 

7. Leben im hier und jetzt?

Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard hat einen sehr wichtigen Satz gesagt, der das Problem unseres Seins ziemlich gut beschreibt: „Das Leben kann nur rückwärts verstanden, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Ob er zu Beginn des 19. Jahrhunderts wohl auch schon das hygge-Prinzip gelebt hat?

Sagt uns aber eigentlich: Es gibt drei Zeiten, die uns ständig begleiten und die wir alle brauchen.

  • Aus der Vergangenheit können wir lernen und sie lässt uns verstehen, warum wir jetzt gerade so fühlen oder denken wie wir gerade fühlen oder denken. Mit ihr tragen wir aber auch Ängste und Sorgen, Verletzungen und Projektionen und auch Vorurteile und Bedürfnisse mit uns herum. Das alles gehört zu uns und ohne all das Erlebte wären wir nicht da, wo wir heute sind. Bedeutet aber auch: Einfach mal akzeptieren, was auch immer in der Vergangenheit so alles schief gegangen ist und stattdessen nach vorne schauen. Es kann immer nur besser werden, ändern kann man es eh nicht mehr.
  • Im „hier & jetzt“ erleben wir unsere Umwelt mit unseren Sinnen. Wenn Vergangenheit und Zukunft egal und nur Illusionen sind (und uns nicht ablenken), können wir einfach mal zufrieden sein mit unserem Leben. Dann vergleichen wir uns nicht und urteilen nicht über andere, sondern konzentrieren uns einfach mal auf den einen Menschen, der zählt und mit dem wir den Rest unsere Lebens verbringen: uns selber!
  • Auf die Zukunft wollen wir uns in gewisser Weise vorbereiten, damit wir dann eine angenehme Gegenwart erleben und uns weiterentwickeln können. Natürlich müssen wir uns auch Ziele setzen.

Wichtig ist eigentlich nur: Wir brauchen alle diese Zeiten! Aber zum „hygge sein“ ist es besonders wichtig, die vielen kleinen Momente wieder wahrzunehmen und nicht zu lange in den beiden anderen Zeiten zu verweilen.

 

8. Geborgenheit 🙂

Man fühlt sich ja auch immer dort wohl und zuhause, wo man gute Freunde oder Familie hat, mit denen man Erlebnisse teilen kann. Gedanken und Sorgen zu teilen mit Menschen auf dir wir uns verlassen können, ist einfach Balsam für die Seele. Geborgenheit ist eben nicht nur Sicherheit, sondern vor allem geprägt von Nähe, Ruhe und Wärme. Also erinnert euch mal wieder an dieses Fundament, dass es irgendwo in eurem Leben gibt: Ab und zu ist das Einigeln in dieser kleinen privaten Höhle sowas von erlaubt! Denn das gibt uns neue Kraft, um die nächsten Steine auf unserem Weg wegzuräumen.

 


Und wer jetzt immer noch mit liest, hat nun auch noch die Chance, etwas zu gewinnen. Nämlich einen Schneehörnchen-Kalender für 2018. Als Geschenk für euch selber oder euer liebstes Schneehörnchen 🙂
Lasst mir dazu einfach eure besten hygge-Tipps und -Inspirationen in den Kommentaren da. Wie holt ihr euch das hygge-Gefühl nach Hause? Welches neue Denken hat euch geholfen, ein entspannteres und glücklicheres Leben zu führen?
Am 3. Adventswochenende werde ich das glückliche Hörnchen küren, das sich nächstes Jahr an meinen Bildern erfreuen darf.

by Tine Nov 27, 2017 Views:322 Share:

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