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Die Semlor-Saison ist eröffnet! Pünktlich zur Faschingszeit gibt es hier Infos zu einem typisch schwedischen Gebäck dieser Zeit und natürlich auch das Rezept dazu!

Urpsrünglich als besonders süße Sünde für den Faschingsdienstag („Fettisdagen“, „fetter Dienstag“) gedacht (obwohl man in Schweden keinen Karneval feiert, aber auch dort kennzeichnet dieser Tag den Beginn der Fastenzeit vor Ostern), gibt es Semlor (pl. von Semla) inzwischen schon kurz nach Weihnachten in quasi jedem Café oder jeder Bäckerei. Den luftigen Hefeteig mit Kardamom, gefüllt mit einer Mandelmasse (in Finnland mit Konfitüre) und ordentlich Sahne, erkennt man schon von weitem. Nicht ohne Grund ist die Bezeichnung mit dem deutschen Wort Semmel verwandt, denn ursprünglich wurde das Gebäck, das auch fastlagsbulle oder hetvägg heißt, als Heißwecke und ohne Füllung angeboten. In Finnland kennt man das Gebäck unter dem Namen Laskiaispulla (Laskiainen = Fastnacht, pulla = Brötchen), in Estland als Vastlakukkel. Seit die kirchliche Fasten-Tradition keine so hohe Stellung mehr einnimmt, gab es erst an jeden Dienstag der Fastenzeit Semlor, inzwischen werden sie von Semlor-Süchtigen zwischen Weihnachten und Ostern gegessen. Manche Traditionalisten essen sie nur am Wochenende, einige Puristen wirklich nur am Fettisdagen, aber eines sollte jeder meiner Meinung nach unbedingt machen: sie mindestens einmal probieren.


How to – Wie isst man Semlor?

Lasst euch nicht als Touristen entlarven, indem ihr unsicher im Semla rumstochert. Denn eigentlich ist das ganze ganz einfach: Den Deckel abnehmen und damit einen Teil der Sahne abkratzen (und essen!). Der Rest des Hefebrötchens kann dann wahlweise mit Gabel, Löffel oder einfach direkt aus der Hand gegessen werden.
Inzwischen gehen einige Cafés wieder zur traditionellen Weise über, die Semlor mit einem Teller heißer Milch zu servieren, gelegentlich mit Salz gewürzt. Aber da muss wohl jeder die für sich passende Weise herausfinden.


Herstellung

Zuerst werden aus gesüßtem Hefeteig (für das typisch schwedische Geschmackserlebnis natürlich mit reichlich Kardamom) Brötchen gebacken. Aus diesen wird ein Deckel abgeschnitten und das entstehende Loch mit Mandelmasse (einer marzipanähnlichen Masse) und Schlagsahne gefüllt. Nachdem der Deckel wieder aufgesetzt wurde, wird der Semla mit reichlich Puderzucker bestreut.

Die Zutaten im folgenden Rezept sind in dl angegeben, aber auch die entsprechende Umrechnung in g ist vorhanden. Ich persönlich finde die Volumen-Variante einfacher, als alles abzuwiegen. Die Messlöffel dazu gibt es natürlich bei IKEA. Das Rezept ist für etwa 14 große oder (wer das lieber mag) 25 kleine Semlor.

Arbeitszeit: 1 Stunde; Ruhezeit: 2 – 2,5 Stunden

Zutaten

Vorteig:

  • 25 g Hefe -> 2/3 der in Deutschland erhältlichen Hefewürfel
  • 200 ml Milch
  • 4 dl Mehl (= 260 g)

Hefeteig:

  • 3 dl Mehl (= 160 g)
  • 1 Ei
  • 1/2 TL Salz (2 g)
  • 1 EL Kardamom (etwa 5 g)
  • 100 g weiche Butter
  • 1 dl Zucker (= 85 g)

Füllung:

  • 400 g Mandelmasse
  • 1 dl gemahlene Mandeln (= 50 g)
  • 1 EL Kardamom (= 5 g)
  • 20 g Vanillezucker (= 2,5 Pk)
  • 1,5 dl Puderzucker (= 90 g)
  • 100 – 150 ml Milch

Zubereitung

  1. Für den Vorteig die Milch auf etwa 37°C anwärmen und dann Hefe und Mehl dazugeben. Das Ganze verrühren bis sich die Masse zu einem Teig verbindet, die Schüssel mit einem Tuch bedecken und etwa 15 min ruhen lassen.
  2. Dann die restlichen Zutaten dazugeben und den Teig mindestens 7 Minuten rühren (Knethaken!) bis der Teig glänzend und elastisch ist. Dafür die Butter nicht schmelzen sondern einfach rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen, denn das würde den Teig nass machen, was mehr Mehl benötigt, wodurch am Ende die Brötchen zu trocken werden.
  3. Den Teig in etwa 14 Stücke aufteilen (etwa 60 g/Stück) und zu Brötchen rollen. Dafür einfach die Hand zu einer Kuhle formen und die Brötchen mir leichtem Druck auf einer Oberfläche (oder der anderen, flachen Hand) rollen. Dann die Brötchen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen, mit einem Tuch zudecken und mindestens 1,5 bis 2 Stunden gehen lassen, bis sie etwa die doppelte Größe erreicht haben.

    Hefeteig nach 2 Stunden

    Hefeteig nach 2 Stunden

  4. Im vorgeheizten Ofen bei 200°C etwa 8 bis 10 min backen bis eine goldgelbe Bräunung erreicht ist.
  5. Die Brötchen rausnehmen, etwas abkühlen lassen und so schnell wie möglich (nicht die Finger verbrennen!) zum Abkühlen auf ein Gitter legen, da die Brötchen sonst auf dem Blech schwitzen.
  6. Für die Füllung wird eine Mandelmasse benötigt, deren Vorteil gegenüber Marzipan darin besteht, dass der oft nicht gemochte Bittermandelgeschmack nicht vorhanden ist. In Deutschland gibt es sie nicht zu kaufen, man kann aber stattdessen die inzwischen erhältliche Marzipan-Rohmasse nehmen oder man macht sie einfach selber:
    1. Variante 1 (für eilige): 200g gemahlene Mandeln mit 1 dl normalem Zucker und 1 dl Puderzucker verrühren. Während des Mixens in kleinen Schlucken Wasser dazugeben bis die Masse eine zähe Konsistenz (eben wie die von Marzipan) hat.
    2. Variante 2: geschälte, ganze Mandeln mit kochendem Wasser übergießen und mindestens 15-20 Minuten ziehen lassen (gerne auch über Nacht stehen lassen). Dann Wasser abschütten und Mandeln im Mengenverhältnis 1:1 mit Zucker mischen und in den Mixer geben. Wenn alles zerkleinert ist und sich die Masse noch nicht verbindet, Wasser zugeben bis die Konsistenz von Marzipan erreicht ist.
  7. Für die Mandelfüllung alle Zutaten bis auf die Milch mischen und die Milch nur nach und nach zugeben, bis die Mischung eine puddingartige Konsistenz hat (muss spritzbar sein). Die Mischung in einen Spritzbeutel füllen.
  8. Sahne steif schlagen und in einen Spritzbeutel mit Sternchentülle füllen.
  9. Wenn die Brötchen abgekühlt sind, den Deckel abschneiden. Dazu die Brötchen nicht mit einem Messer gerade aufschneiden sondern mit einer Schere in 3 Schnitten eine pyramidenartige Form rausschneiden und den Deckel zur Seite legen.

    Abschneiden des Deckels

    Abschneiden des Deckels

  10. Die Löcher mit der Mandelmasse füllen und die Sahne kreisförmig darauf spritzen. Dann den Deckel wieder auflegen und etwas andrücken und das ganze mit reichlich Puderzucker bestäuben.
Semlor - fertig zum Servieren :)

Semlor – fertig zum Servieren 🙂

Für die Zubereitung  zu Hause bietet es sich an, nur so viele Semlor fertig zu füllen, wie man auch aufessen kann. Die restlichen kann man nach dem Abkühlen einfrieren und ein andermal einfach wieder aufbacken und frisch befüllen. So hat man auch länger was davon!


vor dem Genießen noch ein paar Semla-Fakten:

  • von jedem Schweden werden jährlich 5 gekaufte Semlor gegessen
  • das Gewicht des weltgrößten Semla betrug 160 kg (gebacken in Linköping, 2001)
  • am 12. Februar 1771 (ein Faschingsdienstag) starb König Adolf Frederick nachdem er sich an 14 Semlor überfressen hatte
  • über 50% der Schweden essen am Fettisdagen einen Semla
  • jährlich werden in Schweden 50 Millionen Semlor verkauft und etwa 30 Millionen Semlor zu Hause gebacken
  • im Göteborger Raum werden die Semlor manchmal mit Ei bestrichen und mit gehackten Mandeln und Hagelzucker bestreut
  • in Norwegen und Dänemark werden die Semlor fastelavnsbolle genannt und beinhalten Marmelade, Vanillecreme oder Schokolade
by Tine Feb 9, 2016 Views:1414 Share:

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